Gesellschaft in düsteren Zeiten: Der Filmstil des Film Noir in Filmklassikern und populären aktuellen Filmen

ZIELGRUPPE: Lehrkräfte aller Fachrichtungen

► Di 13.02.2024 / 20.00 Uhr: Im Zeichen des Bösen (kostenlose Filmsichtung mit Einführung)
► Mi 14.02.2024 / 9.00 – 17.00 Uhr
► CITY 46
, Birkenstr. 1, 28195 Bremen (4 Min. vom Hbf)

THEMA

Wenn Sie hoffnungsvolle, optimistische oder gar empowernde Geschichten mögen, sind Sie beim Film Noir falsch. Die düsteren Krimis, die in den 1940er- und 1950er-Jahren in den USA entstanden, erzählen von ganz normalen Menschen, die auf die schiefe Bahn geraten und die Kontrolle über ihr Leben verlieren, von moralischen Fehltritten, Schicksalsschlägen, Machtlosigkeit und Ängsten, von Unsicherheit, von Uneindeutigkeit – und all dies in einer sehr klaren (und ja: auf ihre Art sehr schönen) Bildsprache. Auch heute noch sind erzählerische und formale Elemente dieses Stils aus der Kriegs- und Nachkriegszeit in vielen populären Genrefilmen zu finden. Grund genug also, einmal in die Geschichte des Film Noir einzutauchen und zu fragen, was den Reiz dieser Filme ausmacht und warum ihre Muster auch gegenwärtig noch so attraktiv sind. Denn der Noir-Stil ist mehr als nur eine formale Spielerei. Er ist auch ein Spiegel der Gesellschaft und ihrer Weltsicht.

Die Fortbildung ist mehr als ein formales Filmseminar. Wir werden zwar auch Spuren in die Kunst- und Filmgeschichte – zum Expressionismus und zum Neorealismus – folgen, aber auch Bezüge zum jeweiligen gesellschaftspolitischen Kontext herstellen. Wir beginnen mit der für Teilnehmende kostenfreien Sichtung eines Filmklassikers, der zumeist als Endpunkt der klassischen Phase des Film Noir gilt: Im Zeichen des Bösen („Touch of Evil“) von Orson Welles aus dem Jahr 1958. Anhand von diesem klären wir typische Muster dieses Filmstils vor dem Hintergrund der damaligen Zeit. Weitere Filmbeispiele aus Klassikern vertiefen markante Elemente wie Heldenbilder, Moral oder Geschlechterrollen, die wir auch kritisch beleuchten. Wir folgen dem Noir-Stil aber auch über die Jahrzehnte bis in die Gegenwart und suchen nach seinen Ausformungen in Comic-Adaptionen wie „The Batman“ oder „Sin City“, in Science-Fiction-Filmen wie „Blade Runner“ oder Kathryn Bigelows „Strange Days“, in Animes wie „Cyberpunk: Edgerunners“, in Thrillern wie „Sieben“ und in Actionfilmen wie John Woos „The Killer“ oder „Bound“ von den Wachowski-Schwestern.

Aus einer heutigen, diversitätssensiblen und diskriminierungskritischen Perspektive enthalten die Filme auch problematische Darstellungen (wie etwa den von einem stark geschminkten Charlton Heston gespielten „Mexikaner“ in „Im Zeichen des Bösen“). Diese werden wir in der Fortbildung transparent machen.

ZIELE DER FORTBILDUNG

Sie erwerben Grundkenntnisse der Filmanalyse und schärfen über die Noir-Filmsprache grundsätzlich ihren Blick für das Erzählen mit Bildern und Bildkompositionen. Sie lernen inhaltliche und ästhetische Merkmale eines Filmstils kennen und vertiefen Ihre Kenntnisse durch praktische Übungen. Sie setzen sich mit dem Wechselspiel von historischen und gesellschaftspolitischen Gegebenheiten und Filmerzählungen auseinander.

REFERENT

Stefan Stiletto (Medienpädagoge mit Schwerpunkt Filmbildung, Autor & Referent)

HINWEIS

Eine gemeinsame Veranstaltung von VISION KINO und der Bundeszentrale für politische Bildung, vom LIS für Lehrkräfte des Bundeslandes Bremen als Fortbildung anerkannt.

ANMELDUNG

Die Anmeldung erfolgt online über das Landesinstitut für Schule (LIS).
Veranstaltungsnummer: 23-90344